Tamera: Die bewegende Geschichte eines utopischen Friedensdorfes

Drei Deutsche gründeten ein nachhaltiges Dorf in Portugal

Tamera: Die bewegende Geschichte eines utopischen Friedensdorfes
Stars Insider

22/02/20 | StarsInsider

LIFESTYLE Utopie

Tamera ist ein Dorf, das in einer von Portugals kargsten Regionen im Süden des Landes gelegen ist. Die Bewohner wollen die Welt verändern – mit Umweltbewusstsein, positiven Gedanken, Nachhaltigkeit und Liebe. 

Sie finden, das macht Sinn und wäre vielleicht etwas für Sie? Darum genau geht es:

Tamera ist eine Friedensforschungsgemeinde in Alentejo, im Südwesten Portugals. Das Dorf wurde 1995 gegründet. Die Bewohner haben eine gemeinsame Vision, die sie in dem Dorf vereint und die sie auf die ganze Welt verbreiten wollen: Eine Welt ohne Krieg. Die Gemeinschaft versucht also, ein Terra Nova, ein neues Land, zu gründen. Der Begriff beschreibt die Vision, ein autonomes und vernetztes System zu formen, das am Ende eine post-patriarchische Zivilisation ohne Gewalt und Krieg bildet. Die Bewohner wollen mit ihrer Lebensweise ein Vorbild sein, das weltweit nachgeahmt werden kann. Die Gemeinschaft, die sich ein "heilendes Biotop" nennt, ist auf Selbstversorgung und Nachhaltigkeit fokussiert und will zeigen, dass eine solche Idee überall funktionieren kann. 

Wie begann das alles? Obwohl das portugiesische Dorf offiziell 1995 eröffnet wurde, begannen die Gründer das Projekt bereits in den 1960er Jahren, als der Kalte Krieg tobte und der Sommer der Liebe einen neuen Höhepunkt erreichte. Das Projekt wurde von drei Deutschen gegründet: Dieter Duhm (im Bild), Soziologe und Psychoanalytiker, Sabine Lichtenfels, Theologin, und Rainer Ehrenpreis, Physiker.

Die gesamte Vision hinter dem Projekt beruht auf einer politischen Theorie. In den 1980ern entwickelte Duhm, einer der Gründer, eine Theorie, in der er seine Strategie für globalen Frieden erläuterte. Er argumentierte, dass eine solch friedliche Welt durch ein Netzwerk aus Heilungsbiotopen und Friedensdörfern erreicht werden könne.

Ein Teil der Philosophie dreht sich um die Veränderung des "morphogenetischen Feldes", wie Duhm es nennt. Hierbei handelt es sich um die kollektiven Gedanken und Verhaltensweisen der Menschen. Der Gründer glaubt fest daran, dass das momentane morphogenetische Feld der Erde voller Gewalt gegenüber anderen Männern, Frauen, Kindern und der Natur ist. Die Gründer des Projekts gehen jedoch davon aus, dass man dies ändern kann, indem wir unsere Gedanken und Einstellungen ändern. 

Das Trio begann ihr erstes Heilungsbiotop im Süden Deutschlands im Jahr 1978. In den frühen 1980ern lebten in jenem Dorf im Schwarzwald 50 Bewohner, die sich dazu bereit erklärt hatten, drei Jahre lang an dem Projekt teilzunehmen. Nach und nach begann man, eine nachhaltige Gemeinschaft aufzubauen. In einem ersten Schritt lernten die Bewohner, wie man unabhängig vom Rest der Welt leben kann. Sie übten sich darin, Häuser zu bauen, eine Wasserversorgung einzurichten und andere alltägliche Dinge.

Ein weiterer wichtiger Schritt war, sich von veralteten Sexualvorstellungen zu befreien und voneinander zu lernen. Die Gründer nennen das "Heilung durch Liebe", im Grunde geht es um sexuelle Freiheit. Die Mitglieder der Gemeinschaft glauben daran, dass man eine Umgebung aus Vertrauen schaffen muss, in der jeder seine eigene sexuelle Wahrheit entdecken und ausleben kann. Sie setzen sich für eine Liebe ohne Eifersucht, Lügen und Betrug ein.

Heute leben in Tamera mehr als 200 Menschen, darunter auch Kinder. Sie alle leben von den Erträgen des Landes und glauben an die Vision der Gründer. Obwohl es auch Portugiesen, Briten und Israeli im Dorf gibt, sind die meisten Bewohner Deutsche. Tamera dient als Hauptsitz für verschiedene, unabhängige Projekte weltweit, die zusammen genau das Netzwerk aus heilenden Biotopen bildet, das sich die Gründer vorgestellt hatten. Die Projekte befinden sich in Brasilien, Kolumbien, Kenia und Israel/Palästina. 

Die in Tamera aufwachsenden Kinder lernen Sprachen, Mathematik, Biologie und Geographie, aber auch Gemeinschaftsentwicklung, Kunst, Kosmologie, internationales Networking und Spiritualität. 

Zudem gibt es eine Liebesschule, denn ebenso fundamental in der Philosophie des Dorfes ist der Grundsatz, dass eine gewaltfreie Gesellschaft nur dann existieren kann, wenn es keinen Kampf zwischen den Geschlechtern mehr gibt. Die "Love School" unterstützt eine Liebe frei von Eifersucht, Sexualität ohne Angst, Treue, die unabhängig von den eigenen Vorlieben und Wünschen besteht, und die Dauerhaftigkeit der Liebe.

Und warum Portugal? Die Gründer entschieden sich für Portugal, da das Land schon immer offen für radikale Bewegungen war. Sie wollten zudem zeigen, dass eine solche nachhaltige Umwelt überall aufgebaut werden und überleben kann – selbst auf kargem Land.

Um ihre Vision einer autarken und umweltverträglichen Gemeinschaft umzusetzen, bildeten sie mehrere Teams, die sich um verschiedene ökologische Projekte kümmerten. Es gibt beispielsweise das SolarVillage. Das Team hinter diesem Projekt errichtete Teiche und Oasen und pflanzte um die 20.000 Bäume. Dann gibt es ein Pferde-Projekt. Dieses Projekt sollte dazu dienen, eine holistische Kooperation zwischen Menschen und Pferden aufzubauen. Die Pferde werden ohne Sättel oder Trense geritten.

Insgesamt bemüht sich das Dorf um Selbstständigkeit bei der Energie- und Wasserversorgung. In der Küche gibt es eine Konstruktion aus Spiegeln, die das Licht so auf einen Stein reflektiert, dass dieser die Töpfe und Pfannen aufheizt. An bewölkten Tagen, an denen die Sonne nicht stark genug ist, benutzen sie Biogas, das von den Küchenabfällen abgesondert wird. Auch haben die Bewohner Tameras zusammen mit der Hilfe eines Permakultur-Experten eine Umgebung geschaffen, in der Regenwasser in Teichen, Seen, Brunnen und Wasserterrassen gespeichert wird.

Aber sind sie 100% autark? Nein. Etwa die Hälfte der Energie kommt aus dem nationalen Stromnetz. Sie produzieren etwa 25% ihrer (vollständig veganen) Nahrung selbst und kaufen den Rest von lokalen Farmern. Und etwa die Hälfte des Einkommens stammt von Besuchern.

Naiv oder beeindruckend? Ist Tamera visionär und zukunftsträchtig oder eher ein überholtes Experiment? Was denken Sie? Nebenbei: Man kann das Dorf auch besuchen und sich vor Ort ein Bild machen!

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