Rinderkolostrum und Cortisol im Gesicht: Wellness-Trends verstehen
Fördern oder schaden diese Trends Ihrer Gesundheit?
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Gesundheit Schönheit
2024 war ein Jahr voller Wellness-Trends, die in den sozialen Medien für jede Menge Gesprächsstoff sorgten – von "Cortisol-Gesichtern" bis zu "Aura-Punkten". Überall fand man Tipps, wie man Gesundheit und Glück optimieren kann, mit Versprechungen von strahlender Haut bis hin zu innerer Ruhe. Doch sind diese Trends wirklich so gut und gesund, wie sie behaupten, oder handelt es sich nur um vorübergehende Modeerscheinungen, die möglicherweise sogar schädlich sein könnten?
In dieser Galerie können Sie einige der meistdiskutierten Wellness-Trends des letzten Jahres kennenlernen und herausfinden, woher sie stammen, welche Vorteile ihnen zugeschrieben werden, auf welche Fallstricke man achten sollte und ob man sie überhaupt 2025 noch nutzen sollte. Klicken Sie sich durch!
Der Trend: Rinderkolostrum
Im Jahr 2024 warben Prominente wie Kourtney Kardashian und Sofia Richie für Nahrungsergänzungsmittel aus Rinderkolostrum, das im Internet oft als "flüssiges Gold" bezeichnet wird. Diese Mittel werden aus der ersten Milch von Kühen nach der Geburt hergestellt, die besonders nährstoffreich ist. Sie sollen das Immunsystem stärken, die Darmgesundheit fördern und Blähungen reduzieren.
Was ExpertInnen sagen
ExpertInnen sind sich einig, dass Kolostrum viele Nährstoffe enthält und gesundheitliche Vorteile haben könnte. Sie weisen jedoch darauf hin, dass mehr Forschung nötig ist, um die beste Menge und Häufigkeit für eine wirksame Anwendung zu bestimmen.
Was ExpertInnen sagen
Es ist wichtig zu beachten, dass der Markt für Nahrungsergänzungsmittel in den USA nicht streng reguliert ist. Dies bedeutet, dass es keine einheitliche Qualitäts- oder Wirksamkeitsgarantie zwischen verschiedenen Rinderkolostrumprodukten gibt. ExpertInnen weisen darauf hin, dass eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung viele der gleichen potenziellen Vorteile bieten kann wie Kolostrumpräparate.
Der Trend: Cortisol im Gesicht
Auf TikTok war im Jahr 2024 das Thema "Cortisol-Gesicht" in aller Munde, wobei die Macher behaupteten, dass überschüssiges Cortisol, das primäre Stresshormon des Körpers, zu einem aufgedunsenen, weniger attraktiven Aussehen führt. Sie schlugen vor, dass eine Reduzierung des Cortisolspiegels die Gesichtsästhetik verbessern könnte.
Was ExpertInnen sagen
Während Cortisol das Aussehen eines Menschen beeinflussen kann, sind die Auswirkungen nicht so eindeutig, wie einige Wellness-InfluencerInnen darstellen. ExpertInnen betonen, dass ein hoher Cortisolspiegel in erster Linie mit dem Cushing-Syndrom verbunden sind, einer relativ seltenen Erkrankung, die typischerweise auf Steroidbehandlungen zurückzuführen ist.
Was ExpertInnen sagen
ExpertInnen halten es zudem für unwahrscheinlich, dass alltäglicher Stress den Cortisolspiegel so stark ansteigen lässt, dass sich die Gesichtszüge drastisch verändern. Wenn es Bedenken hinsichtlich des Cortisolspiegels gibt, betonen ExperInnen, ist es immer am besten, sich von einem qualifizierten Arzt bzw. einer Ärztin beraten zu lassen, anstatt sich auf Social-Media-Trends zu verlassen.
Der Trend: Rohmilch
Rohe, nicht pasteurisierte Milch erlangte im Jahr 2024 große Aufmerksamkeit, unterstützt von einer vielfältigen Gruppe, darunter hochkarätige Persönlichkeiten, InfluencerInnen und Prominente. BefürworterInnen von Rohmilch behaupten oft, sie sei besser als pasteurisierter Milch und weise einen höheren Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen auf.
Was ExpertInnen sagen
In den USA wird Milch meist pasteurisiert, also erhitzt, um schädliche Bakterien abzutöten. Forschende sehen die Pasteurisierung als einen der wichtigsten Fortschritte in der Lebensmittelsicherheit. Trotzdem steigt die Nachfrage nach roher, nicht pasteurisierter Milch stark an, und inzwischen erlauben über 20 Bundesstaaten deren Verkauf.
Was ExpertInnen sagen
Rohmilch kann gefährliche Bakterien wie Listerien, Salmonellen, nierenschädigende E. coli und hohe Konzentrationen des A(H5N1)-Virus enthalten. Die Food and Drug Administration (FDA) berichtet, dass der Verzehr von Rohmilch in den letzten zwei Jahrzehnten mit über 2.645 Krankheiten und 228 Krankenhausaufenthalten in den USA in Verbindung gebracht wurde.
Der Trend: Rotlichttherapie
Rotlichttherapiegeräte, die früher vor allem im professionellen Bereich genutzt wurden, werden zu Hause immer beliebter. Grund dafür sind Versprechen, dass sie Falten reduzieren, Akne heilen und das Haarwachstum anregen können.
Was ExpertInnen sagen
Viele Nutzer*innen berichten, dass sie durch Rotlichttherapie mehr Ausstrahlung und einen gesunden Glanz bekommen. Dr. Prem Tripathi, ein plastischer Gesichtschirurg aus Kalifornien, warnt jedoch, dass die Wirkung begrenzt ist. "Sehen Sie die Geräte eher als Ergänzung, die zwischen professionellen Behandlungen hilft", erklärt er.
Was ExpertInnen sagen
Einige TikTok-BenutzerInnen haben auf unkonventionelle Methoden wie rote Weihnachtslichter und sogar Wärmelampen für Hühner zurückgegriffen. Diese Ansätze sind nicht nur potenziell gefährlich, sondern bringen auch kaum nennenswerte Vorteile. ExpertInnen empfehlen dringend, in eine seriöse Marke zu investieren, deren Wirksamkeit durch unabhängige klinische Studien belegt ist.
Der Trend: Magnesium
Anfang 2024 wurde Magnesium auf TikTok zu einer Wellness-Sensation, und Content-Creator priesen seine angstmindernde Wirkung an. Dieses essentielle Mineral spielt eine entscheidende Rolle für die Körperfunktionen und Untersuchungen belegen sein Potenzial, Stress zu lindern und ein Gefühl der Ruhe zu fördern.
Was ExpertInnen sagen
Der Trend: Mikrobiom-Testkits
Der Trend: Mikrobiom-Testkits
HelloBiome, ein Unternehmen, das Mikrobiomtests für die Gesichts-, Kopfhaut-, Körper- und Vulva-Mikrobiome zu Hause anbietet, war auf dem Business of Beauty Global Forum 2024 in Napa, Kalifornien, prominent vertreten. Ihre KI-gestützte Plattform analysiert Testergebnisse und liefert personalisierte Empfehlungen basierend auf individuellen Mikrobiomprofilen.
Was ExpertInnen sagen
Der Trend: Psychedelika für die psychische Gesundheit
Im Jahr 2024 ging die Forschung zu Psychedelika für die psychische Gesundheit weiter. Dabei wurde untersucht, wie Stoffe wie LSD, MDMA und Psilocybin bei Depressionen helfen können. Forschende arbeiten an neuen Ansätzen, zum Beispiel Psychedelika ohne den Effekt von "Trips" einzusetzen oder Psilocybin für unheilbar kranke Menschen zu nutzen.
Was ExpertInnen sagen
Die FDA hat 2024 die Therapie von PTBS mit MDMA abgelehnt. Ross Ellenhorn und Dimitri Mugianis, Gründer des psychedelischen Programms Cardea, sagten in The Guardian, dass es zu kurz gedacht sei, Psychedelika nur als Medikamente zu sehen. Sie betonten, dass Psychedelika "eine Erfahrung ermöglichen und keine klassischen Arzneimittel sind".
Der Trend: Aura-Punkte
TikTok war voll mit Clips über sogenannte "Aura-Punkte", ein spielerisches System zur Quantifizierung der "Aura" (im Wesentlichen der Energie oder des Charismas) einer Person. Wie die Reporterin Alaina Demopoulos erklärte, bedeutete das Gewinnen von Aura-Punkten oft, dass man müheloses Selbstvertrauen und eine sorglose Haltung ausstrahlte, während Handlungen, die als eklig oder unsicher empfunden wurden, als Abzug von Aura-Punkten galten.
Was ExpertInnen sagen
Obwohl es sich um einen unbeschwerten Trend handelt, spiegelt das Konzept antike philosophische Konzepte wider, insbesondere die Tugendethik von Aristoteles. Der Philosoph Julian Baggini bemerkte: "Es scheint sich auch um eine Art seltsamen, zeitgenössischen Ehrenkodex zu handeln." Bevor man sich auf Maßnahmen einlässt, wie zum Beispiel jemanden im Verkehr den Weg abzuschneiden, sollte man innehalten und über die möglichen Auswirkungen des "Aura-Punkts" nachdenken.
Der Trend: Underconsumption Core
TikTok-NutzerInnen stellten die Konsumkultur in Frage und verbreiteten die Idee des "Unterkonsum-Kerns". Anders als bei anderen Trends, die oft den Kauf bestimmter Produkte betonen, geht es hier um einen bewussteren Umgang: Wiederverwendung, Upcycling und weniger Abfall stehen im Mittelpunkt.
Was ExpertInnen sagen
KritikerInnen argumentieren, dass der Trend ungewollt gesellschaftliche Ungleichheiten hervorhebt, da viele Menschen bereits mit begrenzten Ressourcen leben. Sie erkennen zwar ihr Potenzial an, betonen jedoch die Notwendigkeit von Inklusivität und angemessener Kontextualisierung innerhalb der Bewegung.
Der Trend: Hautpflege für Kinder
Was ExpertInnen sagen
ExpertInnen warnen davor, dass sich Kinder negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirken können, wenn sie Angst vor dem Älterwerden und unrealistischen Schönheitsstandards ausgesetzt werden. Auch der frühe Kontakt mit Hautpflegeprodukten kann ein erhebliches Risiko für die empfindliche Haut darstellen. "Die Verwendung dieser Produkte kann zu Hautreizungen führen und sogar Erkrankungen wie periorifizielle Dermatitis auslösen", betont die Dermatologin Dr. Shreya Andric.
Der Trend: Digital Detox
Was ExpertInnen sagen
Der Trend: Freiwilliger Zölibat
Dieser im Internet oft als "Jungennüchtern" bezeichnete Trend erfreute sich insbesondere bei heterosexuellen Frauen großer Beliebtheit. Im Februar 2024 erklärte die New York Times das "Zölibat" zum "heißesten Trend im Bereich der psychischen Gesundheit dieses Jahres".
Was ExpertInnen sagen
Die Bewegung entstand inmitten eines umfassenderen Phänomens, das manchmal als "Intimitätsrezession" bezeichnet wird. Dieser Rückgang wird auf verschiedene Faktoren zurückgeführt, unter anderem auf die Ermüdung durch Dating-Apps. Einige betrachten es jedoch als eine umfassendere Neubewertung der geschlechtsspezifischen Politik und Dynamik.
Der Trend: Eier einfrieren
Fruchtbarkeitskliniken in den USA und im Vereinigten Königreich verzeichnen einen Anstieg der Verfahren zum Einfrieren von Eizellen. In den USA ist dieser Anstieg maßgeblich auf die wachsende Zahl von ArbeitgeberInnen zurückzuführen, die Fruchtbarkeitsbehandlungen anbieten, die die erheblichen Kosten im Zusammenhang mit dem Einfrieren von Eizellen decken können.
Was ExpertInnen sagen
Während das Einfrieren von Eizellen ein Gefühl der Freiheit vermittelt und es Einzelpersonen ermöglicht, die Familienplanung hinauszuzögern, warnen ExpertInnen, dass es keine Garantie für zukünftige Fruchtbarkeit darstellt, da die Erfolgsraten erheblich variieren. Bei Frauen über 35 kann die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zwischen 50 % bei 20 entnommenen Eizellen und lediglich 6 % bei nur fünf Eizellen liegen. Darüber hinaus stellt die Suche nach geeigneten Samenspendern ihre eigenen Herausforderungen dar.
Quelle: (The Guardian)
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